Lesung mit Alex Capus: Thomas hat das Meerschweinchen umgebracht!
Was für ein reisserischer Titel!
»Lesungen« mit Alex Capus in der Mediathek Wehr sind einerseits Tradition, andererseits immer ausverkauft (eine Seltenheit an diesem Ort!) und extrem unterhaltsam.

Nichts mit »Wasserglas«, wo ein Autor mehr oder weniger aufregend aus seinem Werk vorträgt. Capus ist grundsätzlich anders: Beim letzten Mal hat er nicht eine Seite aus seinem damals aktuellen Buch »Susanna« vorgelesen, sondern das erzählt, was er anschliessend in »Das kleine Haus am Sonnenhang« verewigt hat. Und das ist eines meiner Lieblingsbücher von diesem Künstler.

Dieses Mal ging es um »Querfeldein«, eine halb-fiktionale Geschichte um das Gasthaus mit dem einzigartigen Namen »Zur Moskau«, das sich in Ramsen (CH) und somit direkt an der Grenze zu Singen (DE) befindet.

In äusserst unterhaltsamer Form erläuterte Alex Capus, woher die Inspiration für seine Geschichten stammt. Unter anderem trägt er einen nicht-fiktionalen Text über eine Fahrradtour mit seiner Frau Nadja in Frankreich vor. Später geht es ums Erzählen und um seinen Freund Thomas. Das ist der, der im Kindergarten ein Meerschweinchen getötet hat …
Und es geht um Superkräfte – die des Homo sapiens. Zu unseren Superkräften gehört laut Capus das Erzählen. Und das Durchhalten. Damit bezieht er sich mehrfach auf die Ehe. Für mich persönlich ist das Durch- oder vielmehr Aushalten – eine meiner besonderen Superkräfte. Allerdings beziehe ich das nicht auf die Ehe (wobei Durchhaltevermögen in dieser Beziehung eine grundsätzliche Voraussetzung ist). Für mich bezieht sich diese besondere Fähigkeit auf die Erwerbsarbeit – also das, was ich regelmässig an Gemeinheiten im Einsatz für meine Familie auszuhalten habe.
Alex Capus ist ein herausragender Erzähler (Superduperkraft!), seine Texte sind so aussergewöhnlich gut geschrieben, dass man des Öfteren mitten im Geschehen wähnt. Und wenn man ihn einige Male persönlich reden gehört hat, kann man sogar seinen individuellen Ausdruck im gedruckten Werk erkennen. Ich beneide ihn auf eine motivierende Art um diese Fähigkeit.

Für mich wird diese Veranstaltung nachhaltig im Gedächtnis bleiben – als letzter unbeschwerter Abend vor einem weiteren persönlichen Supergau. Und dafür bin ich Alex Capus sehr dankbar. Auf meiner Bucket-List steht noch ein Besuch in seiner Bar in Olten.
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