Wanderung auf dem Genießerpfad Belchensteig (Bonnietag 2026)
Für mich ist jedes Jahr am 19. September Bonnietag. An diesem Datum wandle ich einen Tag lang im Gedenken an meine Hündin alleine durch die Landschaft. Das ist der Bericht über meine dritte Tour zu diesem Ereignis.
Da ich bereits mehrmals in diversen lokalen Reiseführern auf die Schönheit des Belchen hingewiesen wurde, habe ich mich dieses Jahr für den Genießerpfad Belchensteig entschieden. Dieser wurde 2020 sogar zum »schönsten Wanderweg Deutschlands« gekürt. Wie es sich für die Schwarzwälder »Digital Natives« gehört, hat die verlinkte Seite zu dieser besonderen Auszeichnung längst in die ewigen Jagdgründe des WWW Einzug gehalten.
Der Belchen ist je nach Betrachtungsweise die dritt- bis fünfthöchste Erhebung im Schwarzwald und besticht mit einem einzigartigen Rundumblick.
Auf die Socken
Los geht's.
Der Mensch ist ein seltsames Wesen. Zunächst muss der innere Schweinehund besiegt werden. Zu verlockend wäre es gewesen, den Samstag gemütlich zu Hause zu verbringen und am Morgen etwas länger im Bett zu verweilen. Insbesondere, da ich nachts schlecht geschlafen hatte, sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass am darauffolgenden Sonntag Männertag angesagt war: Die Damen würden auf dem Markt in Cannobio weilen, der Sohn auf einem Fest in der Umgebung: blieben der Wolf und ich – was praktisch die Übernahme aller Hunderunden bedeutete, auch die am Sonntagmorgen.
Als ich schließlich unterwegs war, war ich froh, mich frühzeitig aus den Federn geschwungen zu haben. Und wie immer nahm ich mir vor, öfters am Wochenende schon am Morgen unterwegs zu sein.
Am Bonnietag hat bestes Wanderwetter Tradition. Um die 25 Grad, sonnig, Septemberlicht – besser geht es nicht. Da der Belchen ab und an als der schönste Berg weit und breit bezeichnet wird, freute ich mich besonders auf meine diesjährige Pilgertour.
Die Anfahrt mit dem PKW dauerte etwa eine Dreiviertelstunde und führte mich unter anderem durch Zell im Wiesental und Schönau, wo man seit vielen Jahren von einem dauerlächelnden Jogi Löw auf einem Weltmeister-Plakat begrüsst wird (das waren noch Zeiten!). Bonnie kam 2014 als spanische Weltmeisterin zu uns, nur um dann unmittelbar danach mit Deutschland die Trophäe zu erringen. Zu diesem Ereignis habe ich die »Rasenrolle« erfunden, mehr möchte ich an dieser Stelle nicht preisgeben.
Das Navi führte mich das letzte Stück über ein italienisch anmutendes Sträßlein, also mit wenig Platz an einer üblen Schlucht entlang. Da ich früh dran war (9:30 Uhr), herrschte wenig Verkehr und ich hatte beinahe freie Auswahl auf dem Parkplatz beim Wiedener Eck. Der Ausgangsort der Tour ist eine Passhöhe, schräg gegenüber befindet sich das gleichnamige Berghotel, das trotz Terrasse und besten Aussichten auf viele Tagesgäste wegen Reichtum geschlossen hatte.

Das Wiedener Eck liegt, völlig überraschend, oberhalb des Dörfchens Wieden. Vor fast genau 40 Jahren habe ich dort im Rahmen einer Klassenfahrt eine Woche in einer Jugendherberge verbracht. Im Winter, zum Skifahren – was damals noch vorher geplant werden konnte. Das Gebäude der damaligen Herberge konnte ich nicht mehr sicher identifizieren. So klein Wieden auch ist, stehen doch mehrere dieser »Kästen« in der steilen Landschaft. Aufgefallen ist mir, wie neuwertig alles aussieht. Ganz untypisch für unser Land in diesen Zeiten.
Durch das Tor
Mit dem mir eigenen eleganten Gang schritt ich durch das »Wiedener Eck Tor« und nahm den Rundweg in Angriff.

Die fünfzehn Kilometer umfassende Route wird als mittelschwer eingestuft, mit einer Gehzeit zwischen 4 Stunden 45 und 6 Stunden, je nach Quelle. Rund zwei Kilometer kann man abkürzen, indem man die Belchen-Seilbahn nimmt. Von diesem Angebot hatte ich Gebrauch gemacht, wodurch meine gelaufene Strecke dreizehn Kilometer plus rund 700 Meter durch falsche Beschilderung umfasste.
Beim ersten Anstieg grüssten vierbeinige Kollegen von der Weide und ich entdeckte eine außergewöhnliche Pilzformation. Die ersten sechs Kilometer führten zum Großteil durch Waldgebiet, wo es im Schatten frisch war.




Nach einer kurzen Irritation (700m Umweg) bezüglich der Navigation erreichte ich den Gasthof »Belchen-Multen«. Ein Blick auf die Speisekarten beim Eingang enthüllte Erfreuliches. Ich beschloss, dort einmal mit meiner Frau einzukehren. Der Parkplatz des Gasthofs schien zudem der Ausgangspunkt für einige Wandergenossen gewesen zu sein.


Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, lag ein »Yogihof«, der Energie und Gesundheit versprach. Das zugehörige Gebäude wirkte nicht ganz so frisch und gesund, was in dieser gepflegten Gegend auffällig war. Aber das zugehörige Grundstück sah toll aus und beherbergte einige witzige Holzskulpturen.


Belchen-Seilbahn
Wenig später erschien die Talstation der Belchen-Seilbahn im Blickfeld, direkt daneben lag das nobel wirkende »Belchenhotel«. Ich erwarb ein Ticket für 10,50 Euro für eine einfache Fahrt nach oben. Die Gondel war mein, die anderen sieben Plätze blieben leer – da hätte sogar der Wolf mitfahren können! Bonnie war sogar ein Seilbahnprofi. In den Serfaus-Ferien hatte sie reichlich Gelegenheit zum Üben gehabt und sogar eine etwas zwielichtige italienische Gondelbahn haben wir zusammen bewältigt. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten und, wie bereits erwähnt, hat mir die Bahn rund zwei Kilometer der Wegstrecke verkürzt. Hätte ich für mehrere Personen zahlen müssen, wäre ich wahrscheinlich gelaufen.





Die Zeitersparnis durch die Seilbahn ist schwer einzuschätzen. Der Wanderweg unterhalb der Trasse verläuft in Serpentinen und ist recht steil – ich würde eine Gehzeit von einer Dreiviertelstunde schätzen. Wer es besser weiß: Bitte mir über den E-Mail-Link unten eine Nachricht zukommen lassen.
Oben lag direkt neben der Seilbahn der »Gasthof Belchen«. Wie ich den Schildern entnahm, handelte es sich bei der Bewirtung um einen Kiosk, nicht um ein Restaurant. Schon um kurz nach 11 Uhr wurden auf der Terrasse des Gasthofs Weizenbiere genossen, hoffentlich die alkoholfreie Variante …
Die Talstation und das »Belchen« lagen etwas unterhalb des Gipfels, doch bereits hier war die Aussicht spektakulär. Der Weg bis oben war nicht allzu weit und entlang des Pfades gab es Sitzgelegenheiten, so dass auch ältere oder weniger fitte Mitmenschen die Bergspitze erreichen konnten.


Das ist der Gipfel!
Auf dem Gipfel des Belchen war einiges los, die meisten Besucher dürften direkt vom Parkplatz bei der Seilbahn gekommen sein, denn auf der Route bis dorthin war die Anzahl der Mitwanderer zum Glück überschaubar.
Ich konnte einige Fotos auf dem Gipfel machen, auf denen niemand zu sehen ist, doch tatsächlich waren relativ viele Besucher dort.



Zweiter Teil, Abstieg
Ich habe nur einige Minuten oben verweilt, da ohnehin alle Sitzgelegenheiten belegt waren, und mich dann an den zweiten Teil meines Weges gemacht, der vorbildlich ausgeschildert war. Auf dem Berg gab es stellenweise sehr viele Blaubeer-Büsche, die zu diesem Zeitpunkt aber keine Früchte mehr trugen.




Auf dem schmalen Bergpfad nach unten gab es wiederholt Rückstau und ich war einige Male gezwungen, sehr langsam zu laufen, bevor ich überholen konnte. Es waren auch einige Hunde unterwegs. Sollte der vierbeinige Genosse Unverträglichkeiten mit Menschen oder Artgenossen haben, muss man unbedingt auf diese Strecke verzichten, es gibt keinen Platz für Scharmützel aller Art! Im idealen Fall sollte der Hund ohne Leine laufen können, da die Wege äusserst uneben sind.


Weiter unten wurde es »zivilisierter«, Kühe grasten in herrlicher Umgebung und ich passierte Skipisten und Lifte und fragte mich, ob diese im Winter in Betrieb sein würden oder ob es sich um längst aufgegebene Relikte handelte. Selbst an diesem Punkt des Belchensteigs gab es noch tolle Aussichten zu bestaunen.




Ankunft
Bei Kilometer 15 endete der Rundweg Belchensteig und ich erreichte den Parkplatz am Wiedener Eck. Dieser hatte sich mittlerweile komplett gefüllt – sogar ein Reisebus stand dort und auch neben einer Seitenstrasse standen jede Menge Autos. Also: Besser nicht zu spät ankommen!
Das Berghotel hatte tatsächlich geschlossen, kaum zu glauben bei diesem Traumwetter und so vielen Tagestouristen. Da ich praktisch keine Pausen gemacht hatte, hatte ich die Tour in etwa 3 Stunden und 50 Minuten absolviert, trotz der zwischenzeitlichen 700m Umweg, aber mit Nutzung der Seilbahn.




Zugabe
»Der schönste Wanderweg Deutschlands«?
Klar, da geht es um Marketing. Der Belchensteig ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert und die Aussicht vom Gipfel des Belchen sollte man sich nach Möglichkeit nicht entgehen lassen – man muss ja nicht gleich eine Wanderung machen. Auf jeden Fall positiv zu erwähnen ist, dass es gleich mehrere Optionen gibt, sich unterwegs zu verpflegen (in meinem Fall war das nicht relevant). Für kleinere Kinder dürfte eine Fahrt mit der Seilbahn und anschliessender »Wanderung« zum Gipfel ein Erlebnis sein.
Meiner Ansicht nach gibt es (abgesehen von den Aussichten) schönere Wanderwege im Schwarzwald, aber das ist wie immer Geschmacksache. Je bekannter ein Weg ist, desto frequentierter ist er auch. Mir gefallen Pfade besser, auf denen weniger Betrieb herrscht. Vor allem auf dem Belchen-Gipfel und den Wegen von dort hinab (bzw. hinauf, je nach gelaufener Richtung) staut es sich zum Teil. Immerhin gab es »nur« zwei Vertreter der E-Bike-Pest, die verbotenerweise gestört haben, und einer davon war anständig und hat sich sofort an die Seite des Wegleins gestellt.
Der Hotzenpfad gefällt mir persönlich besser, dort ist es einsamer und es gibt einige Sehenswürdigkeiten mehr, die sich zudem in ihrer Art unterscheiden. Auf den Spuren der Hotzen bin ich auch noch im September 2026 gewandelt, den Bericht dazu muss ich aber erst noch schreiben …




